Wenn die Heizung nicht mehr richtig warm wird, im Heizkörper verdächtige Geräusche entstehen oder die Therme eine Störung meldet, steckt oft eine simple Ursache dahinter: zu wenig Wasser im System. Das Thema Heizung Wasser nachfüllen klingt zunächst kompliziert, ist aber bei einer typischen Gastherme oder Kombitherme eine Aufgabe, die viele Wienerinnen und Wiener selbst erledigen können. In dieser Anleitung erkläre ich Ihnen als staatlich geprüfter Installateur-Meister, warum der Heizungsdruck so wichtig ist, welche Werte richtig sind und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen, ohne etwas zu beschädigen.
Warum der Heizungsdruck überhaupt wichtig ist
Ihre Heizung arbeitet in einem geschlossenen Kreislauf, dem sogenannten Heizkreis. Damit das warme Wasser zuverlässig durch alle Heizkörper zirkuliert, muss in diesem Kreislauf ein bestimmter Druck herrschen. Ist der Heizungsdruck zu niedrig, treten typische Probleme auf:
- Die Heizung wird nicht mehr richtig warm, einzelne Heizkörper bleiben kalt.
- Es gluckert oder blubbert im System, weil Luft mitläuft.
- Die Umwälzpumpe zieht Luft an, läuft unruhig und kann auf Dauer Schaden nehmen.
- Moderne Thermen schalten bei zu niedrigem Druck ganz ab und zeigen eine Störung.
Über die Jahre entweicht ganz natürlich etwas Wasser aus dem Kreislauf, unter anderem über kleinste Verdunstung an Verschraubungen und beim Entlüften der Heizkörper. Deshalb ist gelegentliches Nachfüllen völlig normal und kein Grund zur Sorge.
Wichtig: Es geht um den Heizkreis, nicht um Ihr Trinkwasser
Bevor wir loslegen, ein entscheidender Punkt, den ich nicht oft genug betonen kann: Beim Nachfüllen geht es ausschließlich um das Wasser im Heizkreislauf, also den Druck im Heizsystem. Das hat nichts mit dem Wasserdruck aus Ihrem Wasserhahn (Trinkwasserdruck) zu tun. Verwechseln Sie die beiden Systeme nicht. Falls Sie an den Wasserhähnen wenig Druck haben, ist das ein anderes Thema – dazu lesen Sie unseren Beitrag, was bei zu niedrigem Wasserdruck zu tun ist. Hier befüllen Sie lediglich den geschlossenen Heizkreis mit etwas frischem Wasser, damit der Druck wieder stimmt.
Diese Anleitung gilt nicht für alle Anlagen
Wohnen Sie in einem Gebäude mit Fernwärme oder einer zentralen Heizanlage, die mehrere Wohnungen versorgt, sollten Sie selbst nichts nachfüllen. Hier ist die Hausverwaltung oder ein Fachbetrieb zuständig. Auch wenn Sie sich unsicher sind, welche Art von Anlage Sie haben, fragen Sie lieber nach. Diese Schritt-für-Schritt-Anleitung richtet sich an Eigentümerinnen und Mieter mit einer eigenen Gastherme oder Kombitherme in der Wohnung.
Der richtige Heizungsdruck: Welche Werte gelten?
Den aktuellen Druck lesen Sie am Manometer ab, einem kleinen runden Anzeigeinstrument an der Therme oder am Heizkreis. Viele Manometer haben einen farbigen Bereich: Der Zeiger sollte im grünen Bereich stehen, der rote Bereich bedeutet zu hoch oder zu niedrig.
Als Faustregel gilt:
- Der Betriebsdruck liegt bei den meisten Anlagen zwischen 1 und 2 bar.
- Im kalten Zustand, also bei abgekühlter Heizung, sollte der Druck bei etwa 1,2 bis 1,5 bar liegen.
- Der genaue Zielwert hängt von Ihrer Anlage und vom Geschoss ab: Je höher die Wohnung liegt, desto höher muss der Druck sein. In einem hohen Stockwerk kann ein etwas höherer Wert nötig sein.
Wichtig: Messen Sie den Druck immer bei kalter Heizung. Im warmen Betrieb dehnt sich das Wasser aus und der Druck steigt von Natur aus an. Wenn Sie bei warmer Heizung nachfüllen würden, käme es später leicht zu Überdruck.
Heizung Wasser nachfüllen: Schritt für Schritt
Für das Nachfüllen brauchen Sie meist einen Füllschlauch (oft ein einfacher Wasserschlauch) und Zugang zum Füllhahn. Viele moderne Thermen haben einen integrierten Füllhahn, ältere Anlagen einen separaten KFE-Hahn (Kessel-Füll-und-Entleerungshahn). So gehen Sie vor:
- Therme und Heizung ausschalten und abkühlen lassen. Schalten Sie die Heizung aus und warten Sie, bis das System abgekühlt ist. So erhalten Sie einen korrekten Druckwert und arbeiten gefahrlos.
- Manometer ablesen. Prüfen Sie den aktuellen Druck. Steht der Zeiger unter etwa 1 bar, ist Nachfüllen sinnvoll.
- Füllschlauch anschließen. Verbinden Sie den Schlauch mit dem Wasseranschluss und schrauben Sie ihn an den Füllhahn der Therme beziehungsweise an den KFE-Hahn. Achten Sie darauf, wirklich den richtigen Hahn zu verwenden.
- Schlauch entlüften. Lassen Sie kurz Wasser durch den Schlauch laufen, bevor Sie ihn vollständig anschließen, damit keine Luft mit in den Heizkreis gelangt.
- Langsam Wasser einlassen. Öffnen Sie den Füllhahn vorsichtig und lassen Sie langsam Wasser ein. Beobachten Sie dabei durchgehend das Manometer.
- Bei Zieldruck schließen. Sobald der Zeiger den Zielwert (meist um 1,5 bar im kalten Zustand) erreicht, schließen Sie den Füllhahn wieder zügig. Füllen Sie auf keinen Fall über den grünen Bereich hinaus.
- Schlauch abnehmen. Trennen Sie den Füllschlauch wieder vom Hahn und schließen Sie alle Hähne sorgfältig.
- Heizkörper entlüften. Durch das frische Wasser kann Luft ins System gelangt sein. Entlüften Sie jetzt Ihre Heizkörper. Eine ausführliche Beschreibung finden Sie in unserer Anleitung zum Heizkörper entlüften.
- Druck erneut prüfen und gegebenenfalls nachfüllen. Nach dem Entlüften fällt der Druck oft etwas ab. Lesen Sie das Manometer noch einmal ab und füllen Sie bei Bedarf vorsichtig nach, bis der Zielwert wieder erreicht ist.
Die wichtigsten Warnungen beim Wasser nachfüllen an der Therme
Damit beim Heizung Druck einstellen nichts schiefgeht, beachten Sie bitte folgende Punkte:
- Nicht überfüllen. Zu hoher Druck belastet das System und kann das Sicherheitsventil zum Abblasen bringen. Mehr als 2 bar im kalten Zustand sollten es in der Regel nicht sein.
- Richtigen Hahn verwenden. Verwechseln Sie den Füllhahn nicht mit dem Entleerungshahn oder anderen Ventilen.
- Wasser nach Vorgabe der Anlage. In den meisten Wohnungsanlagen wird normales Leitungswasser zum Befüllen verwendet. Manche Hersteller schreiben aufbereitetes Heizungswasser vor. Im Zweifel halten Sie sich an die Anleitung Ihrer Therme.
- Langsam arbeiten. Lassen Sie das Wasser immer langsam ein und behalten Sie das Manometer im Blick.
Wenn Sie ständig nachfüllen müssen: ein Warnsignal
Gelegentliches Nachfüllen ein- bis zweimal pro Heizsaison ist normal. Müssen Sie hingegen alle paar Wochen Wasser an der Therme nachfüllen, weil der Druck immer wieder abfällt, dann ist das kein Pflegethema mehr, sondern ein Hinweis auf einen Defekt. Häufige Ursachen sind:
- ein Leck im Heizsystem, etwa an einer Verschraubung, einem Heizkörper oder einer Leitung,
- ein defektes Ausdehnungsgefäß, das den Druckausgleich nicht mehr leisten kann.
Beides gehört in fachkundige Hände. Ein dauerhaft sinkender Druck lässt sich nicht durch ständiges Nachfüllen lösen, im Gegenteil, dabei gelangt immer wieder sauerstoffreiches Frischwasser ins System, was Korrosion fördert. In so einem Fall finden und beheben wir die Ursache im Rahmen unserer Heizungsreparatur in Wien. Rufen Sie uns einfach an, wir besichtigen die Anlage und nennen Ihnen einen Fixpreis nach Besichtigung.
Vorbeugen statt nachfüllen: Wartung und Effizienz
Viele Druckprobleme lassen sich vermeiden, wenn die Therme regelmäßig gewartet wird. Bei der Wartung prüfen wir unter anderem das Ausdehnungsgefäß, den Druck und die Dichtheit des Systems. Wie oft eine Wartung sinnvoll ist und was dabei geschieht, lesen Sie in unserem Beitrag Thermenwartung: wie oft und warum.
Eine gut eingestellte, dichte und richtig befüllte Anlage arbeitet außerdem deutlich sparsamer. Wenn Sie ohnehin gerade an Ihrer Heizung arbeiten, lohnt sich ein Blick auf weitere Stellschrauben: In unseren 7 Tipps zum Heizkosten sparen vom Installateur zeigen wir, wie Sie mit kleinen Maßnahmen spürbar Energie sparen.
Fazit
Das Nachfüllen von Wasser in die Heizung ist bei einer eigenen Gastherme oder Kombitherme meist eine überschaubare Aufgabe: Druck am Manometer prüfen, bei kalter Heizung langsam auf etwa 1,2 bis 1,5 bar nachfüllen, Heizkörper entlüften und erneut kontrollieren. Wichtig sind die richtige Reihenfolge, der richtige Hahn und das Bewusstsein, dass es um den Heizkreis und nicht um Ihr Trinkwasser geht. Sobald der Druck dauerhaft abfällt oder Sie eine Fernwärme- beziehungsweise Zentralanlage haben, ist Vorsicht geboten und ein Profi gefragt. Wir sind für Sie da.