Ihre Heizkörper werden nicht richtig warm, obwohl die Therme läuft? Oft steckt Luft im System dahinter. In dieser Anleitung zeige ich Ihnen als Installateur-Meister Schritt für Schritt, wie Sie Ihre Heizkörper selbst entlüften, wann Sie einen Fachmann rufen sollten und welche Fehler Sie vermeiden müssen.
Woran erkennen Sie, dass Ihr Heizkörper entlüftet werden muss?
Luft im Heizsystem ist eines der häufigsten Probleme, die wir als Installateure in Wiener Wohnungen sehen. Die typischen Anzeichen sind eindeutig:
- Heizkörper wird oben nicht warm – der untere Teil heizt, aber oben bleibt er kalt
- Gluckernde oder blubbernde Geräusche in den Heizkörpern oder Leitungen
- Heizkörper braucht deutlich länger um warm zu werden als gewohnt
- Einzelne Räume bleiben kalt, obwohl andere Heizkörper normal funktionieren
- Druckverlust an der Heizungsanlage (Manometer fällt unter 1 bar)
Wenn eines dieser Symptome auftritt, ist Entlüften der erste und einfachste Schritt. Die gute Nachricht: In den meisten Fällen können Sie das selbst erledigen.
Was Sie brauchen: Werkzeug und Vorbereitung
Für das Entlüften eines Heizkörpers benötigen Sie nur drei Dinge:
- Entlüftungsschlüssel (auch Vierkantschlüssel genannt) – erhältlich in jedem Baumarkt für 2–5 Euro. Manche Heizkörper haben ein Schlitzventil, das mit einem Schraubendreher geöffnet werden kann.
- Auffangbehälter – ein Becher oder eine Schüssel für das austretende Wasser
- Lappen oder Handtuch – zum Auffangen von Tropfen
Wichtig: Das Entlüftungsventil befindet sich an der Oberseite des Heizkörpers, meist auf der gegenüberliegenden Seite des Thermostatventils. Es ist ein kleines Ventil mit einem Vierkant in der Mitte.
Heizkörper entlüften: 6 Schritte Anleitung
Schritt 1: Heizung voll aufdrehen
Drehen Sie alle Thermostatventile in der Wohnung auf die höchste Stufe (Stufe 5) und lassen Sie die Heizung mindestens 30 Minuten laufen. Dadurch erwärmt sich das Wasser im System und die Luftblasen lösen sich besser.
Schritt 2: Umwälzpumpe ausschalten
Wenn Sie Zugang zur Heizungsanlage haben: Schalten Sie die Umwälzpumpe aus. Warten Sie dann weitere 30 Minuten. In dieser Zeit steigt die Luft nach oben in die Heizkörper und sammelt sich am Entlüftungsventil. In Mietwohnungen mit Zentralheizung entfällt dieser Schritt – Sie können trotzdem entlüften.
Schritt 3: Mit dem obersten Heizkörper beginnen
Beginnen Sie immer mit dem Heizkörper, der am höchsten im Gebäude liegt. In einer Etagenwohnung entlüften Sie zuerst den Heizkörper, der am weitesten von der Therme entfernt ist. Halten Sie den Auffangbehälter unter das Entlüftungsventil.
Schritt 4: Ventil langsam öffnen
Setzen Sie den Entlüftungsschlüssel an und drehen Sie langsam gegen den Uhrzeigersinn – eine Vierteldrehung genügt. Sie hören ein Zischen: Das ist die Luft, die aus dem System entweicht. Drehen Sie nicht zu weit auf – das Ventil muss nicht herausgeschraubt werden.
Schritt 5: Warten bis Wasser kommt
Lassen Sie das Ventil geöffnet, bis das Zischen aufhört und ein gleichmäßiger, blasenfreier Wasserstrahl austritt. Das kann wenige Sekunden bis ein bis zwei Minuten dauern. Halten Sie den Behälter bereit – es kommen typischerweise 50 bis 200 ml Wasser.
Schritt 6: Ventil schließen und Druck prüfen
Drehen Sie das Ventil im Uhrzeigersinn vorsichtig wieder zu. Nicht zu fest anziehen – fingerfest genügt, sonst beschädigen Sie die Dichtung. Wiederholen Sie den Vorgang an allen weiteren Heizkörpern.
Prüfen Sie danach den Wasserdruck am Manometer Ihrer Heizungsanlage. Der Druck sollte zwischen 1,0 und 1,5 bar liegen (im kalten Zustand). Wenn der Druck zu niedrig ist, müssen Sie über das Füllventil Wasser nachfüllen.
Häufige Fehler beim Heizkörper entlüften
In unserer täglichen Praxis als Installateure sehen wir immer wieder dieselben Fehler:
- Zu schnell aufdrehen: Wer das Ventil zu weit öffnet, riskiert einen unkontrollierten Wasseraustritt. Eine Vierteldrehung reicht.
- Entlüften bei laufender Pumpe: Die Umwälzpumpe wirbelt die Luft im System auf. Ohne Pumpe sammelt sich die Luft oben im Heizkörper – dort wo das Ventil sitzt.
- Nur einen Heizkörper entlüften: Luft verteilt sich im gesamten System. Entlüften Sie immer alle Heizkörper, beginnend mit dem höchsten.
- Wasser nicht nachfüllen: Beim Entlüften verliert das System Wasser. Wenn der Druck unter 1 bar fällt, funktioniert die Heizung nicht mehr richtig.
- Ventil zu fest anziehen: Das Entlüftungsventil hat eine empfindliche Dichtung. Zu starkes Anziehen zerstört sie – dann tropft das Ventil dauerhaft.
Wann das Entlüften nicht reicht: Diese Probleme gehören zum Installateur
Entlüften ist eine einfache Maßnahme, die jeder selbst durchführen kann. Aber nicht jedes Heizungsproblem lässt sich damit lösen. Rufen Sie einen Installateur für Heizungsreparatur, wenn:
- Sie regelmäßig entlüften müssen (öfter als einmal pro Heizsaison) – dann hat das System ein Leck oder das Ausdehnungsgefäß ist defekt
- Der Druck ständig abfällt, auch nach dem Nachfüllen – das deutet auf ein Leck in einer Leitung oder Verbindung hin
- Heizkörper trotz Entlüften kalt bleiben – dann kann das Thermostatventil klemmen oder die Umwälzpumpe ist defekt
- Sie braunes oder schwarzes Wasser beim Entlüften sehen – das deutet auf Korrosion im System hin und erfordert eine Spülung
- Die Therme Fehlermeldungen zeigt oder in Störung geht
- Sie sich nicht sicher sind, ob das Problem Luft oder etwas anderes ist
Wie kommt Luft in die Heizung?
Um das Problem dauerhaft zu lösen, hilft es zu verstehen, woher die Luft kommt:
- Nachfüllen von Heizungswasser: Beim Befüllen gelangt immer etwas Luft ins System. Das ist normal und erfordert einmaliges Entlüften.
- Undichte Verbindungen: Minimale Undichtigkeiten an Verschraubungen oder Ventilen können Luft ins System ziehen – besonders wenn der Druck niedrig ist.
- Defektes Ausdehnungsgefäß: Wenn die Membran im Ausdehnungsgefäß defekt ist, schwankt der Druck stark und es kann Luft ins System gelangen.
- Chemische Reaktionen: In älteren Systemen kann Korrosion Gase freisetzen, die sich wie Luft verhalten.
- Defekter automatischer Entlüfter: Viele Heizungsanlagen haben automatische Entlüfter, die mit der Zeit verschleißen und ihre Funktion verlieren.
Wenn Sie immer wieder Luft in der Heizung haben, ist das ein Zeichen dafür, dass etwas im System nicht stimmt. Eine einmalige Prüfung durch einen Installateur kann die Ursache finden und das Problem dauerhaft beheben.
Wie oft sollten Sie Ihre Heizkörper entlüften?
Als Faustregel empfehlen wir:
- Einmal pro Jahr zu Beginn der Heizsaison (September/Oktober)
- Nach jedem Nachfüllen von Heizungswasser
- Nach Arbeiten an der Heizungsanlage (Reparaturen, Thermenwartung)
- Sofort, wenn Sie Gluckergeräusche hören oder Heizkörper ungleichmäßig warm werden
Entlüften in Wiener Altbauten: Besonderheiten
In vielen Wiener Altbauten gibt es Einrohrheizsysteme oder Schwerkraftheizungen, die anders funktionieren als moderne Zweirohr-Anlagen. Bei diesen Systemen kann das Entlüften komplizierter sein:
- Die Entlüftungsventile sind manchmal an unzugänglichen Stellen montiert
- Bei Einrohrsystemen beeinflusst die Reihenfolge der Heizkörper die Wärmeverteilung – hier hilft Entlüften allein oft nicht
- Alte gusseiserne Radiatoren haben mehr Volumen und benötigen längeres Entlüften
Wenn Sie in einem Wiener Altbau wohnen und die Heizung trotz Entlüften Probleme macht, kann ein hydraulischer Abgleich durch einen Installateur die Lösung sein.
Fazit: Einfache Maßnahme mit großer Wirkung
Heizkörper entlüften ist eine der einfachsten Wartungsmaßnahmen, die Sie als Bewohner selbst durchführen können. In den meisten Fällen dauert der gesamte Vorgang für eine Wohnung keine 15 Minuten und benötigt kein spezielles Werkzeug.
Wenn das Entlüften das Problem nicht löst oder Sie regelmäßig nachentlüften müssen, liegt die Ursache tiefer. In diesem Fall sollten Sie einen Installateur hinzuziehen, der das System professionell prüft.
Sie haben Fragen oder brauchen Unterstützung? Rufen Sie uns an unter +43 1 99 77 080 – wir helfen Ihnen gerne weiter.