Warum Heizkosten sparen nicht Verzicht bedeutet
Die Heizkosten machen in vielen österreichischen Haushalten einen der größten Posten bei den Betriebskosten aus. Gerade in der Heizsaison von Oktober bis April kann die monatliche Gasrechnung spürbar ins Geld gehen. Doch höhere Kosten bedeuten nicht automatisch mehr Wärme – oft ist es genau umgekehrt: Wer clever heizt, spart Geld und hat es dabei sogar wärmer und behaglicher.
Als Installateure sehen wir täglich, wo Energie verloren geht und welche Maßnahmen am meisten bringen. Hier sind unsere sieben wirksamsten Tipps, die Sie sofort umsetzen können.
Tipp 1: Heizkörper entlüften – der schnellste Spareffekt
Wenn ein Heizkörper oben kalt bleibt und nur unten warm wird, befindet sich Luft im System. Diese Luftblasen verhindern, dass das Heizwasser den gesamten Heizkörper durchströmt. Die Folge: Der Raum wird nicht richtig warm, und die Therme muss länger laufen, um die gewünschte Temperatur zu erreichen.
So geht es: Mit einem Entlüftungsschlüssel (erhältlich für wenige Euro im Baumarkt) öffnen Sie das Entlüftungsventil an der Oberseite des Heizkörpers. Halten Sie ein Gefäß darunter. Sobald statt Luft nur noch Wasser kommt, schließen Sie das Ventil wieder. Danach den Wasserdruck am Manometer der Therme kontrollieren und bei Bedarf Wasser nachfüllen.
Sparpotenzial: Bis zu 15 % weniger Energieverbrauch bei regelmäßiger Entlüftung zu Beginn der Heizsaison.
Tipp 2: Raumtemperatur bewusst einstellen
Jedes Grad Raumtemperatur weniger spart rund 6 % Heizenergie. Das klingt wenig, summiert sich aber über eine gesamte Heizsaison erheblich.
Empfohlene Richtwerte:
- Wohnzimmer: 20–21 °C
- Schlafzimmer: 16–18 °C
- Küche: 18–20 °C (Herd und Backofen heizen mit)
- Badezimmer: 22–24 °C (nur bei Nutzung)
- Flur und Abstellräume: 15–16 °C
Wichtig: Drehen Sie die Heizung in wenig genutzten Räumen nicht komplett ab. Eine Mindesttemperatur von 14–16 °C verhindert Feuchtigkeitsschäden und Schimmelbildung. Außerdem verbraucht das komplette Wiederaufheizen eines ausgekühlten Raums mehr Energie als das Halten einer Grundtemperatur.
Tipp 3: Thermostatventile richtig nutzen
Viele Bewohner drehen das Thermostatventil auf 5 in der Erwartung, dass der Raum schneller warm wird. Das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Stufe bestimmt nicht die Geschwindigkeit, sondern die Zieltemperatur:
- Stufe 1: ca. 12 °C
- Stufe 2: ca. 16 °C
- Stufe 3: ca. 20 °C
- Stufe 4: ca. 24 °C
- Stufe 5: ca. 28 °C
Die Stufe auf 5 zu stellen bedeutet also nicht „schneller heizen", sondern „auf 28 °C heizen" – deutlich mehr als nötig. Die richtige Einstellung liegt für die meisten Wohnräume bei Stufe 3. Wer programmierbare oder smarte Thermostatventile einsetzt, kann die Temperatur automatisch absenken, wenn niemand zu Hause ist, und rechtzeitig vor der Rückkehr wieder hochfahren.
Sparpotenzial: Programmierbare Thermostate können den Heizenergieverbrauch um 10–20 % senken.
Tipp 4: Richtig lüften – Stoßlüften statt Dauerkipp
Eines der größten Missverständnisse beim Heizen betrifft das Lüften. Ein gekipptes Fenster während der Heizperiode ist eine der teuersten Angewohnheiten überhaupt. Die Wände kühlen rund um den Fensterrahmen aus, der Raum verliert ständig Wärme, und die Therme muss permanent nachheizen – ohne dass die Luft wirklich ausgetauscht wird.
Die richtige Methode: Stoßlüften. Öffnen Sie die Fenster für 5–10 Minuten vollständig (am besten gegenüberliegende Fenster für Durchzug), und schließen Sie sie dann wieder komplett. Die frische Luft erwärmt sich schnell, weil die Wände und Möbel ihre gespeicherte Wärme abgeben. Im Idealfall lüften Sie 2–3 Mal täglich auf diese Weise.
Sparpotenzial: Wer vom Dauerkippen auf Stoßlüften umsteigt, spart bis zu 200 Euro pro Heizsaison.
Tipp 5: Heizungsrohre und Warmwasserleitungen dämmen
In vielen Altbauten laufen Heizungsrohre ungedämmt durch Keller, Abstellräume oder Treppenhäuser. Dort geht wertvolle Wärme verloren, bevor sie die Wohnräume erreicht. Die Nachdämmung von Heizungsrohren ist eine der kostengünstigsten und effektivsten Maßnahmen.
Für die Dämmung eignen sich Rohrisolierungen aus Schaumstoff, die es in verschiedenen Durchmessern im Baumarkt gibt. Die Installation ist einfach: Die Schalen werden aufgeschnitten, über das Rohr gelegt und mit Klebeband fixiert. Bei schwer zugänglichen Stellen oder Ventilen empfiehlt sich die Beauftragung eines Installateurs.
Sparpotenzial: Bei ungedämmten Kellerrohren sind Einsparungen von 5–8 % der gesamten Heizkosten realistisch.
Tipp 6: Regelmäßige Heizungswartung
Eine verschmutzte oder falsch eingestellte Heizungsanlage verbraucht deutlich mehr Energie als nötig. Bei der jährlichen Wartung reinigt der Installateur den Brenner, überprüft die Abgaswerte und stellt die Therme optimal ein. Eine gewartete Therme arbeitet mit maximalem Wirkungsgrad – eine vernachlässigte verliert Jahr für Jahr an Effizienz.
Zusätzlich zur Therme selbst sollten auch die Heizkörper regelmäßig geprüft werden: Sind alle Thermostatventile gängig? Gibt es Leitungsgeräusche, die auf Luft oder eine fehlerhafte Pumpe hindeuten? Muss der hydraulische Abgleich erneuert werden?
Der hydraulische Abgleich ist eine besonders wirkungsvolle Maßnahme: Dabei wird jeder Heizkörper im System so eingestellt, dass er genau die richtige Menge Heizwasser bekommt – nicht zu viel und nicht zu wenig. In vielen Altbauten wurden die Heizkörper nie abgeglichen, was dazu führt, dass nahe an der Therme liegende Räume überheizt werden, während entferntere Räume unterversorgt bleiben.
Sparpotenzial: 10–15 % durch regelmäßige Wartung, zusätzlich 5–10 % durch hydraulischen Abgleich.
Tipp 7: Wärme nicht blockieren
So banal es klingt: Die Positionierung von Möbeln und Vorhängen hat einen spürbaren Einfluss auf die Heizleistung. Ein Sofa direkt vor dem Heizkörper blockiert die Wärmeabstrahlung in den Raum. Schwere, bodenlange Vorhänge, die über den Heizkörper fallen, wirken wie eine Isolierung – allerdings in die falsche Richtung.
Praktische Maßnahmen:
- Mindestens 20 cm Abstand zwischen Heizkörper und Möbeln einhalten
- Vorhänge sollten oberhalb des Heizkörpers enden oder hinter dem Heizkörper verstaut werden
- Heizkörperverkleidungen sehen schick aus, reduzieren aber die Wärmeabgabe um bis zu 20 %
- Reflexionsfolien hinter dem Heizkörper (zwischen Heizkörper und Außenwand) lenken die Wärme zurück in den Raum statt in die Wand
Sparpotenzial: 3–5 % durch optimale Möblierung und Reflexionsfolien.
Zusammenfassung: Alle Tipps auf einen Blick
| Maßnahme | Aufwand | Sparpotenzial |
|---|---|---|
| Heizkörper entlüften | 5 Minuten pro Heizkörper | bis 15 % |
| Raumtemperatur senken (1 °C) | sofort umsetzbar | ca. 6 % |
| Thermostatventile richtig nutzen | sofort umsetzbar | 10–20 % |
| Stoßlüften statt Dauerkipp | Gewohnheit ändern | bis 200 Euro/Saison |
| Rohre dämmen | Materialkosten ca. 30–80 Euro | 5–8 % |
| Heizungswartung + hydr. Abgleich | einmal jährlich | 15–25 % |
| Möbel/Vorhänge optimieren | sofort umsetzbar | 3–5 % |
Bonus-Tipp: Fenster und Türen abdichten
Undichte Fenster und Türen gehören zu den größten Wärmeverlustquellen in Wiener Altbauwohnungen. Selbst wenn die Fenster optisch in Ordnung wirken, können die Dichtungen mit der Zeit porös werden und unsichtbare Spalte entstehen, durch die kalte Luft eindringt und warme Luft entweicht. Das betrifft besonders Kastenfenster, die in vielen Gründerzeitbauten noch im Originalzustand vorhanden sind.
Einfacher Test: Halten Sie an einem windigen Tag ein brennendes Teelicht oder ein Blatt Papier an die Fensterränder. Flackert die Flamme oder bewegt sich das Papier, liegt ein Luftzug vor. Auch das klassische „Papier einklemmen" funktioniert: Schließen Sie ein Blatt Papier im Fenster ein. Lässt es sich ohne Widerstand herausziehen, schließt das Fenster nicht dicht genug.
Abhilfe: Selbstklebende Dichtungsstreifen aus Schaumstoff oder Gummi kosten wenige Euro pro Fenster und lassen sich ohne Werkzeug anbringen. Bei Wohnungstüren hilft eine Bürstendichtung an der Unterkante (sogenannte Zugluftstopper). Für Kastenfenster gibt es spezielle Dichtungsprofile, die zwischen den beiden Fensterebenen eingesetzt werden.
Sparpotenzial: Je nach Zustand der Fenster sind Einsparungen von 5 bis 15 Prozent realistisch – bei Materialkosten von unter 50 Euro für eine gesamte Wohnung.
Wann lohnt sich ein Heizungstausch?
Alle genannten Tipps helfen, das Beste aus Ihrer bestehenden Heizungsanlage herauszuholen. Doch irgendwann kommt der Punkt, an dem eine Modernisierung sinnvoller ist als weitere Optimierung. Die Frage „Reparieren oder tauschen?" stellt sich vor allem bei älteren Gasthermen, die 15 Jahre oder mehr auf dem Buckel haben.
Anzeichen, dass ein Tausch wirtschaftlich sinnvoll ist:
- Alter über 15 Jahre: Gasthermen dieser Generation haben oft einen Wirkungsgrad von nur 80 bis 85 Prozent. Moderne Brennwertgeräte erreichen 96 bis 98 Prozent – das sind 10 bis 15 Prozent weniger Gasverbrauch bei gleicher Heizleistung.
- Steigende Reparaturkosten: Wenn in den letzten drei Jahren mehr als 500 Euro für Reparaturen angefallen sind, deutet das auf zunehmenden Verschleiß hin. Eine Faustregel lautet: Übersteigen die Reparaturkosten ein Drittel des Neugerätepreises, ist ein Tausch wirtschaftlicher.
- Ersatzteile schwer verfügbar: Bei älteren Modellen stellen Hersteller irgendwann die Ersatzteilproduktion ein. Wenn Reparaturen immer länger dauern, weil Teile bestellt werden müssen, wird die Versorgungssicherheit zum Problem.
- Komfortverlust: Schwankende Warmwassertemperaturen, lange Aufheizzeiten oder häufige Störungsmeldungen beeinträchtigen den Wohnkomfort und sind oft Symptome einer Therme am Ende ihrer Lebensdauer.
Förderungen in Österreich
Der Umstieg auf ein modernes Heizungssystem wird in Österreich durch verschiedene Förderprogramme unterstützt. Die Bundesförderung „Raus aus Öl und Gas" gewährt Zuschüsse beim Wechsel von fossilen Heizungssystemen auf erneuerbare Energieträger. Auch die Stadt Wien bietet eigene Förderschienen für den Tausch von Gasthermen. Die genauen Konditionen ändern sich regelmäßig – wir informieren Sie bei der Beratung über die aktuell verfügbaren Fördermöglichkeiten und unterstützen Sie bei der Antragstellung.
Professionelle Beratung gewünscht?
Sie möchten wissen, wie viel Einsparpotenzial in Ihrer Heizungsanlage steckt? Wir beraten Sie gerne – ehrlich, unverbindlich und praxisnah. Ob Wartung, hydraulischer Abgleich, Fensterabdichtung oder die Frage, ob sich eine neue Therme lohnt: Rufen Sie uns an unter +43 1 99 77 080.